Anglikanische Gemeinde Rhein-Neckar Anglikanisches Pfarramt Juliana von Norwich
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Sollten wir Sie bei einem unserer Gottesdienste oder einer anderen Veranstaltung auch persönlich kennenlenen dürfen, würden wir uns sehr freuen.

 

Einer von uns

 

In einem Kloster eines ehemals großen und ruhmreichen Ordens lebten nur noch fünf Mönche: der betagte Abt und seine vier Mitbrüder im selben Alter. Der Orden lag zweifellos im Sterben. In den tiefen Wäldern rund um das Kloster stand eine kleine Hütte, die ein Rabbiner aus einer Stadt manchmal als Einsiedelei nutzte. Durch ihre langjährigen Gebete und Kontemplation spürten die alten Mönche, wenn der Rabbiner in seiner Einsiedelei war.

Angesichts des kommenden Untergangs seines Ordens wollte der Abt den Rabbiner um Rat fragen. Dieser empfing den Abt und konnte ihm nur sein Mitgefühl aussprechen: „Ich weiß, wie es ist“, rief er aus. „Der Geist ist aus den Menschen gewichen. In meiner Stadt ist es genauso. Fast niemand kommt mehr in die Synagoge.“

So weinten der alte Abt und der alte Rabbiner zusammen. Dann lasen sie die Tora und sprachen leise über tiefgründige Dinge. Es kam die Zeit, da der Abt gehen musste. Sie umarmten einander. „Es war wunderbar, dass wir uns nach all den Jahren wieder getroffen haben“, sagte der Abt, „aber ich habe mein Ziel dennoch verfehlt. Hast du keinen Rat, der mir helfen würde, meinen sterbenden Orden zu retten?“

Nein, es tut mir leid“, antwortete der Rabbiner. „Ich kann dir keinen Rat geben. Das Einzige, was ich dir sagen kann, ist, dass der Messias einer von euch ist.“ Als der Abt ins Kloster zurückkehrte, versammelten sich seine Mitbrüder um ihn und fragten: „Nun, was hat der Rabbiner gesagt?“ – „Er konnte mir nicht helfen“, antwortete der Abt. „Wir haben nur geweint und gemeinsam die Tora gelesen. Das Einzige, was er sagte, gerade als ich ging, war etwas Rätselhaftes: Der Messias sei einer von uns. Ich habe keine Ahnung, was er damit gemeint hat.“

In den folgenden Tagen, Wochen und Monaten grübelten die alten Mönche über die Worte des Rabbiners nach und ob sie irgendeine Bedeutung haben könnten. Der Messias ist einer von uns? Hatte er vielleicht einen von uns Mönchen hier im Kloster gemeint? Wenn dem so ist, wen denn? Während sie so nachdachten, begannen die alten Mönche, einander mit außerordentlichem Respekt zu behandeln, für den unwahrscheinlichen Fall, dass einer von ihnen der Messias sein könnte. Und für den unwahrscheinlichen Fall, dass jeder Mönch selbst der Messias sein könnte, begannen sie, sich selbst mit außerordentlichem Respekt zu behandeln.

Da der Wald, in dem es lag, wunderschön war, kam es vor, dass immer noch gelegentlich Menschen das Kloster besuchten, um auf seinem winzigen Rasen zu picknicken, auf einigen seiner Wege zu wandern und hin und wieder sogar in die verfallene Kapelle zu gehen, um zu meditieren. Während sie dies taten, spürten sie, ohne sich dessen bewusst zu sein, diese Aura außerordentlichen Respekts, die nun die fünf alten Mönche zu umgeben begann und von ihnen auszustrahlen und die Atmosphäre des Ortes zu durchdringen schien. Ohne recht zu wissen warum, begannen sie, häufiger ins Kloster zurückzukehren, um zu picknicken, zu spielen, zu beten. Sie brachten ihre Freunde mit, um ihnen diesen besonderen Ort zu zeigen. Und ihre Freunde brachten ihre Freunde mit. Dann kam es dazu, dass einige der jüngeren Männer, die das Kloster besuchten, immer öfter mit den alten Mönchen ins Gespräch kamen. Nach einer Weile fragte einer, ob er sich ihnen anschließen dürfe.

 

Erzählung nach M. Scott Peck (The Different Drum, 1987), Übersetzung Dorotheee Boss

 
 
Aktualisiert am 24. Juni 2026

 

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